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Marcel Proust und Richard Wagner
Prof. Albert Gier erläutert die Bezüge:
Der französische Schriftsteller Marcel Proust verfasste
einen der bedeutendsten Romane des 20. Jahrhunderts:
"Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" - Richard Wagners "Ring des Nibelung"
gilt als das gewaltigste Werk der Opernliteratur.
Im Rahmen der "Bamberger Vorträge zum (Musik-) Theater" veranstalteten die
Lehrstühle für Romanistik und Slawistik im Zusammenhang mit dem Richard-Wagner-Verband Bamberg
am 22. Oktober einen Vortragsabend mit dem Thema "Verflochten ist das Geflecht" - Zeit und
Erinnerung bei Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" und Richard Wagners
"Ring des Nibelungen".
Frau Prof. Dr. Elisabeth von Erdmann wies in ihrer Einführung auf den großen Einfluss
von Wagners "Ring" auf Prousts Jahrhundertroman hin. Proust (1871-1922) erlebte
den "Ring" mehrmals an der Pariser Oper und setzte sich mit dem Libretto intensiv
auseinander. So wie Wagner mit seinen "Leitmotiven" an Vergangenes erinnert,
Gegenwärtiges hervorhebt und Künftiges ahnen lässt,
Stimmungen beschreibt und Personen charakterisiert, so beschreibt Proust die Zeit,
die der Erzähler vergeudet hat, die Zeit die unwiederbringlich verloren ist,
wenn sie nicht in Erinnerung oder in einem Kunstwerk konserviert wurde,
sowie die Erinnerung oder Imagination, die Namen oder Gegenstände hervorrufen.
Als berühmtestes Beispiel nannte Gier die "Madeleine", das ist ein kleiner Kuchen,
die dem erwachsenen Marcel von seiner Mutter serviert wird und deren
Geschmack ihm die Fülle seiner Kindheitserlebnisse mit allen Bildern, Klängen,
Geschmäckern und Gerüchen wieder vor Augen führt. Die unfreiwillige Erinnerung
ist dabei kein psychologisches Erlebnis (so plausibel sie auch erscheint),
sondern ein literarischer Kniff, der es dem Autor erlaubt,
Assoziationsketten zu beginnen. Gier zitierte aus dem
Programmheft der Bayreuther Festspiele 1976 zu "Rheingold
einen Aufsatz des Dirigenten Pierre Boulez anlässlich des
"Jahrhundertrings", den er auch als heute noch lesenswert einstufte.
Darin wird der eher erzählende als dramatische Charakter des "Rings"
betont, wobei der eigentliche "Roman" für Boulez nicht das Textbuch,
sondern die gesamte Partitur darstellt.
Am Ende gelang es von Erdmann, noch eine Aussprache auf hohem Niveau anzustoßen.