Aktuell

Wagnerischer Geburtstagsgruß

Bekanntlich hat sich Richard Wagner auch selbst zum Geburtstag gratuliert, in humorvoller Gedichtform, die in seinen gesammelten Schriften gleich in zwei Versionen überliefert ist. So schrieb er am 19. Mai 1855 von London aus seiner Frau Minna nach Zürich:

Im wunderschönen Monat Mai

kroch Richard Wagner aus dem Ei:

ihm wünschen, die zumeist ihn lieben,

er wäre besser drin geblieben.

 

Und ebenfalls in den achtzehnhundertfünfziger Jahren überlieferte Wagners Freund Ernst Benedikt Kietz folgende Variante:

Im wunderschönen Monat Mai

kroch Richard Wagner aus dem Ei;

es wünschen Viele, die ihn lieben,

er wäre lieber drin geblieben.

 

Heutzutage geht natürlich alles anders, zum Beispiel reichlich tristanesk: http://www.classicfm.com/composers/wagner/guides/happy-birthday/#21odwagCxk9W8iQA.97

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Unsere nächste Veranstaltung

Es gab Zeiten, aber das ist Gott sei Dank schon länger her, da wurden Wagnerianer-Nasen gerne gerümpft, wenn mittlere oder gar kleinere Theater sich an die Werke des »Meisters« wagten. Dabei gab es schon immer Wagner-Aufführungen an Häusern, die weder eine große Bühne noch ein so großes Orchester hatten, wie es die Originalpartitur vorschreibt. Richard Wagner selbst hatte aus naheliegenden Gründen nichts dagegen, wenn seine Opern mit einer reduzierten Orchesterbesetzung aufgeführt wurden, denn nur dann konnten mehr Tantiemen fließen. Weithin bekannt sind vor allem die Fassungen von Alfons Abbass, einem Musiker der Meininger Hofkapelle, dessen Ring-Bearbeitung erstmals 1906/07 am damaligen Herzoglichen Sächsischen Hoftheater Coburg-Gotha aufgeführt wurde.

 

Doch es wird nicht nur um die »Coburger Fassungen« gehen, wenn Bodo Busse (Foto: Andrea Kremper), seit der Spielzeit 2010/11 Intendant des Landestheaters und designierter neuer Chef am Staatstheater Saarbrücken, bei uns über Wagner in Coburg: damals und heute spricht. Bei seinem Nachholtermin am 4. Juli um 19.30 Uhr wird Busse im Hotel Bamberger Hof unter anderem über die Besuche Wagners in Coburg berichten, über die Bühnenbildwerkstatt der Gebrüder Brückner, Wagners Lieblingssängerin Wilhelmine Schröder-Devrient, die in Coburg gastierte und dort auch starb – und nicht zuletzt über die Wagner-Aufführungstradition an seinem Haus, die mit dem Tannhäuser 1854 begann und mit dem auch von weitgereisten Wagnerianern gefeierten Lohengrin in der Saison 2013/14 garantiert noch nicht zu Ende ist.

 

Zur Person: Nach seinem Abitur in Filderstadt studierte Bodo Busse

Musikwissenschaft, Literaturwissenschaft und Rhetorik in Tübingen. Er besuchte mehrere Meisterkurse für Opernregie bei Ruth Berghaus. Nach diversen Praktika und Assistenzen an der Staatsoper Stuttgart und am Opernhaus Zürich ging er als Musikdramaturg an das Staatstheater Mainz. Später wechselte er als Musikdramaturg und Assistent des Generalintendanten John Dew an das Theater Dortmund. Am Stadttheater Gießen war er Geschäftsführender Dramaturg mit Regieverpflichtung, bevor er von Dr. Manfred Beilharz als Musikdramaturg und Mitglied der Opernleitung an das Hessische Staatstheater Wiesbaden berufen wurde. Bodo Busse ist langjähriges Jury-Mitglied des internationalen Gesangswettbewerbs »German-Australian Opera Grant«, der jährlich in Melbourne ausgetragen wird. Seit der Spielzeit 2010/11 und noch bis zum Ende des Saison 2016/17 ist Bodo Busse als Intendant am Landestheater Coburg tätig, wobei er pro Saison auch mindestens eine Regiearbeit einbringt, darunter die Uraufführung der Musicaloper Dorian Gray, die Lohengrin-Oper von Salvatore Sciarrino, die szenische Collage Der Welt abhanden gekommen mit Musik von Gustav Mahler und Claude Vivier und zuletzt im Januar dieses Jahres Schuberts Winterreise (in der Orchesterfassung von Hans Zender und der Ausstattung unseres Mitglieds Karlheinz Beer). Bodo Busses Intendanz in Coburg sollte ursprünglich bis Sommer 2019 andauern; nachdem er erst kürzlich und ab der Saison 2017/18 zum neuen Intendanten des Staatstheaters Saarbrücken gekürt wurde, hat er zwangsläufig um vorzeitige Auflösung seines Vertrags in Coburg gebeten.

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Mahnmal-Enthüllung mit Felix Uttenreuther

Unser Stipendiat von 2015, der Schlagzeuger und Perkussionist Felix Uttenreuther, sorgt am 25. Juni 2016 für die musikalische Umrahmung bei der Enthüllung des Widerstands-Mahnmals im Harmoniegarten Bamberg. Das von der Willy-Aron-Gesellschaft initiierte, von Bildhauer Albert Ultsch künstlerisch umgesetzte Mahnmal mit Bronzebüsten auf Stelen erinnert an drei Personen, die symbolisch für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus in der Region stehen: Willy Aron als Vertreter der Justiz und des politischen Widerstands der SPD, Hans Wölfel als Anwalt und Vertreter des kirchlichen Widerstands und Claus Schenk Graf von Stauffenberg als Vertreter des Widerstands innerhalb des Militärs.

Die Mahnmal-Enthüllung startet um 11 Uhr zunächst mit einem Festakt im E.-T.-A.-Hoffmann-Theater. Neben Festansprachen von Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz und Prof. Dr. Susanne Talabardon von der Bamberger Universität steht unter anderem auch die Uraufführung der Kammersymphonie in fünf Sätzen Aufbruch/Widerstand/Stille von Eduard Resatsch, hauptberuflich Cellist bei den Bamberger Symphonikern, auf dem Programm. Um 12 Uhr folgt im Harmoniegarten die offizielle Mahnmal-Enthüllung, die musikalisch von unserem Stipendiaten umrahmt wird.    

 

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Künstlerisches von unseren Mitgliedern

Auch im Juni sind einige unserer Mitglieder künstlerisch aktiv: Das von Bühnen- und Kostümbildner Karlheinz Beer ausgestattete Schauspiel Die Grönholm-Methode steht nach der Premiere am 28. Mai noch am 5., 15. und 23. Juni 2016 im Großen Haus des Landestheaters Coburg auf dem Programm und wird  dort auch in der kommenden Saison zu erleben sein.  (Szenenfoto mit den vier Protagonisten, die bei ihrem Vorstellungsgespräch in einer surreal-abstrakten Szenerie unter anderem auch gemeinsam eine Pyramide bauen und dabei singen müssen: Andrea Kremper). 

audida, der Chor der Bamberger Kreismusikschule, den Harald Schneider gegründet hat und seither leitet, gibt am Samstag, 11. Juni, um 18 Uhr im Saal des  Frensdorfer Bauernmuseums gemeinsam mit dem Chor Reichwein Singverein aus Berlin sein heuriges Sommerkonzert. Unter der Leitung von Harald Schneider und Christian Höffling singen die beiden Chöre Liebeslieder aus drei Jahrhunderten und vielen Ländern. Sie besingen die Liebe, die man genauso braucht wie die Luft zum Atmen (All I need is the air that I breathe), die verlorene und wieder gefundene Liebe und das große Glück. Aber auch die Dramen wie Eifersucht und die unglückliche Liebe, die das ganze Leben wertlos scheinen lässt, dürfen in diesem abwechslungsreichen Programm nicht fehlen. Gemeinsame Konzertabende mit anderen Chören haben bei audida eine lange Tradition. Dieses Mal wird sie besonders gerne gepflegt, da Christian Höffling selbst jahrelang audida-Mitglied war, bevor er über Bremen nach Berlin ging und jetzt selbst als Chorleiter arbeitet. Der Eintritt zum Konzert ist frei, die Chöre freuen sich aber über Spenden zur Deckung der Unkosten.

Hugo Scholter (im Foto rechts) probt als Regisseur aktuell mit dem Bariton Christoph von Weitzel (links), der Sopranistin Margriet Buchberger und dem Tenor Christian Bauer für einen ganz besonderen Mozart-Abend am Samstag, 25. Juni um 19 Uhr im Rahmen der Orangerie-Konzerte im Hof von Schloss Unternzenn (bei Bad Windsheim): Im ersten Teil gibt es szenisch die frühe Mozart-Oper Bastien und Bastienne, mit Arieneinlagen aus anderen Mozartopern und unter der musikalischen Leitung von Ulrich Pakusch: Ein Schäferspiel um amouröse Verwirrungen und Irrungen, mit zauberischen Instruktionen wie damit umzugehen sei. Im zweiten Teil und der anbrechenden Abenddämmerung wird dann Eine kleine Nachtmusik in kammermusikalischer Besetzung mit dem Ensemble Rebekka Hartmann und Freunde, einem Streichquintett mit sechs Bläsern, zu hören sein. Bei schlechtem Wetter findet der Mozart-Abend in der Kirche St. Maria in Unternzenn statt. Kartenvorverkauf unter www.orangerie-konzerte.de

 

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Happy Birthday, Richard!

Am 22. Mai 2016 ist der 203. Geburtstag von Richard Wagner. Unter Beers Tipps finden Sie zwei Glückwunsch-Artikel. Und als ob der »Meister« persönlich ein Auge drauf gehabt hätte, veröffentlichen wir an seinem Ehrentag unter Reisen erstmals alle Details zu unserer diesjährigen großen Musik & Kunstfahrt im September! 

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Festspielkarten gibt es wieder online

Am 18. Mai gibt es ab 14 Uhr online wieder Festspielkarten zu kaufen, nachdem der Online-Kartenverkauf schon nach dem Erstverkaufstag am 1. Februar 2016 wieder geschlossen worden war. Angekündigt wurde die Aktion sehr kurzfristig heute auf der Homepage der Bayreuther Zeitung und des Bayerischen Rundfunks. Alles Weitere unter http://ticketshop.bayreuther-festspiele.de/de

 

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Pfingstmontags-»Meistersinger«

Nicht vergessen: Am 16. Mai um 16 Uhr wird auf BR Klassik live die Premiere der Meistersinger-Neuinszenierung aus der Bayerischen Staatsoper München übertragen – eine exzellent besetzte Produktion unter der musikalischen Leitung von Kirill Petrenko, deren erste Aufführungen bis zur Sommerpause binnen weniger Minuten ausverkauft waren. Weitere Infos unter https://www.br-klassik.de/programm/radio/ausstrahlung-684858.html und unter

https://www.staatsoper.de/staatsoper/stueckinfo/die-meistersinger-von-nuernberg/2016-05-16-16-00.html?tx_sfstaatsoper_pi1%5BfromSpielplan%5D=1&tx_sfstaatsoper_pi1%5BpageId%5D=545&cHash=914aa2a3dd9c8e93f6d540293ae606b1

Das äußerlich und inhaltlich hochwertige Max Joseph-Magazin der Staatsoper beschäftigt sich in seiner jüngsten Ausgabe ebenfalls mit Wagners Meistersingern, unter anderem mit einer Frageaktion an Künstler und Kulturschaffende. Es liest sich spannend, wie die Antworten zum Teil einhellig, zum Teil unterschiedlich ausfallen auf die Frage, wie vermessen Kunst sein darf, welche Regeln sie braucht, wonach sich ihr Wert bemisst wo Kunst irrt – und was Oper ist, kann und muss. Eine hilfreiche Lektüre für Anfänger und Fortgeschrittene. Download unter https://www.staatsoper.de/maxjoseph.html frei nach Hans Sachsen Fliedermonolog:

 

»Ich fühl's – und kann's nicht versteh'n –

kann's nicht behalten – doch auch nicht vergessen;

und fass ich es ganz – kann ich's nicht messen!

Doch wie wollt' ich auch messen,

was unermesslich mir schien?

Kein' Regel wollte da passen

und war doch kein Fehler drin.«

 

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Busse-Vortrag am 10. Mai fällt leider aus

Leider musste Intendant Bodo Busse aus Coburg den heutigen Vortrag bei uns wegen einer akuten Erkrankung absagen. Er wird den Vortrag aber gerne zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Wir hoffen sehr, dass diese Nachricht Sie noch rechtzeitig erreicht und Sie heute Abend nicht umsonst zum Bamberger Hof kommen, denn so kurzfristig sind wir nicht in der Lage, einen Ersatz aufzutreiben. Wir melden uns gerne wieder, sobald wir den Nachholtermin wissen und/oder sonstige Neuigkeiten für Sie haben.

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Seit Montag wird wieder gemahlert!

Wer einmal dabei war, macht es immer wieder und besucht alle öffentlichen Runden im Mahler-Dirigenten-Wettbewerb der Bamberger Symphoniker, denn das ist eine wunderbare Schule des Hörens. Wann und wo sonst hat man die Gelegenheit zum direkten Interpretationsvergleich? Hier die Termine:

Montag, 9. Mai
10.00 bis 12.30 Uhr: Hauptrunde
17.00 bis 19.30 Uhr: Hauptrunde

Dienstag, 10. Mai
10.00 bis 12.30 Uhr: Hauptrunde

Mittwoch, 11. Mai
10.00 bis 12.30 Uhr: Semifinale
17.00 bis 19.30 Uhr: Semifinale

Donnerstag, 12. Mai
10.00 bis 11.00 Uhr: Semifinale 
17.00 bis 20.00 Uhr: Finale

Freitag, 13. Mai
19.00 Uhr: Abschlusskonzert, dirigiert vom ersten Preisträger oder dem Wettbewerbsgewinner

 

Aktuelle Termine finden Sie unter https://www.bamberger-symphoniker.de/the-mahler-competition/ablauf.html

 

 

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Maistersingermonat

Einige unserer Mitglieder sind im Monat Mai vor allem in Sachen Die Meistersinger von Nürnberg unterwegs: Eine Fahrgemeinschaft besucht am 8. Mai die Derniere der Inszenierung am Opernhaus in Chemnitz (Regie: Michael Heinicke, Dirigent: Frank Beermann), die am 19. März 2016 zum ersten Mal gezeigt wurde.

Am 16. Mai folgt die Premiere der Meistersinger-Neuinszenierung an der Bayerischen Staatsoper (Regie: David Bösch, Dirigent: Kirill Petrenko, mit Wolfgang Koch als Sachs, Jonas Kaufmann als Stolzing und Markus Eiche als Beckmesser), die um 16 Uhr auch live im Radio auf BR Klassik übertragen wird. Und zum Monatsende, am 29. Mai, gibt es in Erfurt eine weitere Meistersinger-Premiere (Regie: Vera Nemirova, Dirigentin: Joana Mallwitz), eine Produktion, die im Herbst unter der musikalischen Leitung von Kirill Karabits, der Konzertfreunden schon von seinen Auftritten in Bamberg her ein Begriff ist, auch in Weimar aufgeführt wird. Mehr dazu später unter Beers Tipps.

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Ein großer Wurf im Bamberger Theater

Wer heute nicht ins Kino geht (siehe weiter unten) und/oder auch die nächsten Tage sonst nichts vor hat: Die Uraufführungs-Inszenierung des musikalischen Theaterprojekts Die deutsche Seele (nach Thea Dorn und dem zeitgenössischen SchriftstellerRichard Wagner in der Fassung von Stefann Otteni und Remsi Al Khalisi) im E.T.A.-Hoffmann-Theater sollte sich keiner entgehen lassen. Ein bedenkenswerter, berührender, unterhaltsamer und magischer Abend mit der in jeder Hinsicht beeindruckenden jungen Sängerdarstellerin Katarina Morfa, einem 12-köpfigen Orchester mit Pianistin Beate Roux und Nachwuchsmusikern aus der Joseph-Keilberth-Akademie der Bamberger Symphoniker unter der  Leitung des überaus talentierten Joolz Gale, von dem auch die Arrangements stammen, mit den schon in ihrer Wandlungsfähigkeit und aberwitzig schnellen Kostümwechseln auftrumpfenden Schauspielern Katharina Brenner, Anna Döing, Benedikt Flörsch, Stefan Hartmann und Marie Nest, die in der einfallsreichen, perfekt getimten Inszenierung von Stefan Otteni und der stimmigen und pfiffigen Ausstattung von Anne Neuser samt passenden Videos von Chris Bonte in pausenlosen zwei Stunden und zehn Minuten eine Bestandsaufnahme dessen, was deutsch ist, liefern, die Herz und Hirn gleichermaßen fesselt. Puh, was für ein Satzungetüm! Klingt nach typisch deutschem Feuilletonistengeschwafel. Dabei sollte nur in ein zwei Sätzen gesagt sein, dass es sich unbedingt lohnt. Weitere Vorstellungen am 30. April, am 2. und 3. Mai sowie bei der Wiederaufnahme im Herbst, Karteninfo unter http://theater.bamberg.de/spielplan/stuecke/die-deutsche-seele/

 

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Sehen wir uns heute im Kino?

Am 30. April 2016 um 19 Uhr steht im CineStar Bamberg als Live-Übertragung aus der New Yorker Met Elektra von Richard Strauss auf dem Programm, in einer genialen Inszenierung von Patrice Chéreau, der die Übernahme dieser seiner letzten Regiearbeit an das berühmte amerikanische Opernhaus nicht mehr erleben durfte. Chéreau, der im Alter von nur 32 Jahren durch seine Ring-Inszenierung 1976 in Bayreuth auf einen Schlag in der ganzen Welt bekannt wurde, hat Elektra 2013 beim Festival von Aix en Provence inszeniert und starb wenige Monate nach der Premiere an Krebs siehe Nachruf in meinem Wagner-Jahr-Blog auf http://www.infranken.de/ueberregional/infrankenblog/Ein-Theatergenius-mit-Charme-und-Feuer;art61321,542299

Die Produktion wurde mit denselben Solisten ins Programm der Mailänder Scala übernommen und wird nach der Met u.a. auch noch an der Berliner Staatsoper Station machen. Wie bei der Premiere dirigiert Esa-Pekka Salonen, aus der ursprünglichen Besetzung sind außerdem Waltraud Meier als Klytämnestra und Adrianne Pieczonka als Crysothemis dabei. Die Titelpartie singt und spielt Nina Stemme, Orest ist der amerikanische Bass Eric Owens. Es lohnt sich garantiert – auch wenn dieser Opernabend vergleichsweise kurz ist. 

 

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Faszinierender »Tristan« in Landshut

Ensembleszene vom Ende des 1. Akt der Tristan-Inszenierung von Stefan Tilch im Bühnenbild des Bamberger Künstlers Karlheinz Beer    Foto: Peter Litvai

 

Begeistert waren am Ende alle: Unsere Kunst- und Opernfahrt nach Landshut am 10. April war ein voller Erfolg. Beeindruckend schon die kundige Führung durch das in einen Bergstollen gebaute Skulpturenmuseum von Fritz Koenig, die Lust aufs Wiederkommen machte. Auch das anschließende Mittagessen im Schlosshotel Schönbrunn war ein Genuss. Ganz zu schweigen von der Neuinszenierung von Wagners Tristan und Isolde im Theaterzelt des Niederbayerischen Landestheaters, einem Renovierungsprovisorium, in dem außer der übermäßigen Heizung nichts provisorisch war – entgegen mancher Befürchtung selbst die Akustik nicht. Im Gegenteil: Keiner der 28 Tristan-Besucher aus dem durch das A-Orchester der Symphoniker verwöhnten Bamberg merkte, dass die um immerhin über zwanzig Musiker aufgestockte Niederbayerische Philharmonie zumindest, was den Tariflohn betrifft, nur ein D-Orchester ist.

 

Zudem gab es am Sonntag eine Ausnahme- und Notsituation: GMD Basil Coleman, der noch am Freitag die umjubelte Premiere dirigiert hatte – bei der Premierenfeier erzählte Intendant Stefan Tilch, dass ein Landshuter Opernfreund, der seit über vierzig Jahren alle Premieren miterlebte, ihm sagte, dass es noch nie einen solchen Beifall gegeben habe – musste wegen einer plötzlichen Erkrankung absagen. Uwe Sandner, GMD am Pfalztheater Kaiserslautern, der erst am Samstag dort die Premiere einer Tristan-Neuinszenierung dirigiert hatte, sprang ein und löste die schwierige Aufgabe mit den quasi auf der Stuhlkante sitzenden Musikern und den noch konzentrierteren Sängern so souverän, dass man nur staunen konnte. Eine einzigartige Gesamtleistung.

 

Dass die rundherum überzeugende Annette Seiltgen nur zwei Tage zuvor ihre erste Isolde, der sängerdarstellerisch unter die Haut gehende Stephan Bootz seinen ersten König Marke und Anne-Theresa Møller ihre erste Brangäne gesungen hatten, dass George Humphrey an diesem Abend sein Tristan-Debüt überhaupt feierte, merkte man den Interpreten nicht an. Bleibt noch zu berichten, dass auch szenisch der Funken übersprang. Die Inszenierung von Intendant Stefan Tilch im sich von Akt zu Akt verändernden Museumsraum von Karlheinz Beer mit den Videos von Florian Rödl und den Kostümen von Ursula Beutler ist ein bannendes Kammerspiel mit einigen Szenen, die man so noch nicht gesehen, verstanden und nachempfunden hat. Termine und Fotos von Peter Litvai zur Aufführung gibt es unter http://www.landestheater-niederbayern.de/events/128

 

Unser RWV-Mitglied Karlheinz Beer arbeitet in Passau konkret längst an seinem nächsten Opernbühnenbild. Am 14. Mai 2016 hat in der Dreiländerhalle Passau – auch das ein größerer Spielort des Theaters als sonst – Giuseppe Verdis Aida in der Regie des britischen Regisseurs Stephen Medcalf Premiere. In Landshut wird die Inszenierung bei gutem Wetter als Freilichtaufführung im Prantlgarten gezeigt, also just dort, wo auch das eingangs erwähnte Skulpturenmuseum situiert ist.

  

 

Wagnerurenkelin Daphne Wagner und Tristan-Bühnenbildner Karlheinz Beer bei der Premierenfeier im Landshuter Theaterzelt am 8. April 2016                Foto: Monika Beer 

 

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Dagny Beidler ist ein Symphoniker-Fan

Wagner-Urenkelin Dagny Beidler, die Enkelin von Isolde Beidler, der ersten gemeinsamen Tochter von Richard und Cosima Wagner,  und Musikologin und Wagnerkennerin Professor Eva Rieger kamen zu ihrem Vortrag in Bamberg schon einen Tag früher, um die Bamberger Symphoniker, die sie unter anderem schon von etlichen Auftritten beim Luzern-Festival kannten und bewunderten, auch in ihrer eigenen Konzerthalle erleben zu können. Nach dem Konzert am 4. April schrieb die Wagner-Urenkelin aus dem schweizerischen Familienzweig über ihre unvergesslichen Eindrücke wie folgt: »Noch immer klingt das Konzert der Bamberger Symphoniker in mir nach. Die Interpretation der 3. Mahler war eine Offenbarung. Diese Hingabe des Orchesters und dieses einfühlende Dirigat von Jonathan Nott waren ein Höhepunkt in meinem Konzertleben. Es war einfach überwältigend. Es war auch festzustellen, wie stolz die Bamberger auf ihr Orchester sind.«

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Ein Blaustrumpf als Bildungslücke

Die feministische Musikologin Eva Rieger (links), Wagner-Urenkelin Dagny Beidler (rechts) und im Hintergrund ein Bildnis von Malwida von Meysenbug                      Foto: Anja Hartmann

 

Dass Richard Wagner die unterschiedlichsten Menschen in seinen Bann ziehen konnte, ist bekannt. Für viele eine Bildungslücke schloss sich am 5. April mit dem gemeinsamen Vortrag von Wagner-Urenkelin Dagny Beidler aus dem schweizerischen Winterthur und der feministischen Musikologin Eva Rieger

aus Vaduz in Liechtenstein über Malwida von Meysenbug (1816–1903). Die aus Kassel stammende Schriftstellerin war nicht nur eine sehr erfolgreiche Autorin, deren Memoiren einer Idealistin sich zum Missfallen Wagners besser verkauften als dessen Autobiografie, sondern war eine politisch aufgeklärte, demokratisch und liberal gesinnte Frau, die aus gutem Grund als eine Vorläuferin der Frauenemanzipation gilt. Dass sie eine Idealistin war, lässt sich schon daran ablesen, dass sie sich trotz ihrer adeligen Herkunft mit Herz und Hirn der 1848er Revolution verschrieb und als unverheiratetes Fräulein zeitlebens für das Recht der Frauen auf Bildung und Arbeit kämpfen sollte.

 

»Noch sah ich meinen Weg nicht klar«, schrieb sie in ihren Erinnerungen über ihre jungen Jahre, »wusste noch nicht, wie ich verwirklichen sollte, was sich in meinen

Gedanken bewegte, aber ich fühlte, dass das Ziel meines Lebens hinfort sein werde, an der Emanzipation der Frauen von den engen Grenzen, welche die Gesellschaft ihrer Entwicklung gesteckt hat, und von den Kleinlichkeiten und der Unwissenheit, welche die Folgen davon waren, arbeiten zu helfen.« Was das konkret im 19. Jahrhundert bedeutete, schilderten die Referentinnen einprägsam am Beispiel von Malwidas Brotberuf in ihrem britischen Exil als Hauslehrerin und Gouvernante.

 

Erstaunlicherweise war sie schon aufgrund einiger theoretischer Schriften und noch in Unkenntnis der Musik eine Wagnerianerin. Auf das erste, noch kühle Treffen der beiden in London, wo Malwida zeitweise lebte, folgten viele weitere, darunter zur ausgepfiffenen „Tannhäuser“-Uraufführung in Paris und den ersten Festspiel-Aufführungen in Bayreuth. Sie fand Aufnahme in den engsten Freundes- und Familienkreis, obwohl Wagner gebildete und emanzipierte Frauen wie sie sonst gerne als Blaustrümpfe bezeichnete, war in Wahnfried ebenso gerne gesehen wie bei diversen Aufenthalten der Wagners in Italien, wo Malwida sich zuletzt niederließ.

 

Der informative und inspirierende Vortrag gewann seine Lebendigkeit auch durch die abwechselnd, mit unterschiedlichen Stimm- und Dialektfarben sprechenden Referentinnen, die anschließend einige ihrer Bücher signierten und sich mit den Besuchern, die in den schönen Dachgeschoss-Saal der Stadtbücherei gekommen waren, noch länger angeregt austauschten. Beidler und Rieger waren übrigens schon tags zuvor gekommen und konnten unter anderem auf Einladung der Bamberger Symphoniker das legendäre Dutilleux- und Mahlerkonzert mit der Sopranistin Barbara Hannigan und der Altistin Gerhild Romberger unter Jonathan Nott erleben, was die nicht erst seit dem halbkonzertanten Ring in Luzern schon vorhandene Begeisterung der beiden für unser Orchester nur noch größer machte. Apropos Luzern: In Bamberg fand die Premiere ihres Meysenbug-Vortrags statt, die nächste Station wird im November die Wagnervilla in Tribschen sein.

 

Dagny Beidler (rechts), Eva Rieger (links) und RWV-Vorsitzende Jasenka Roth nach dem Meysenbug-Vortrag in Saal der Stadtbücherei                                                  Foto: Anja Hartmann

 

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Perlen aus der Tiefe der »Winterreise«

Laut Kurt Tucholsky hat jedes Glück einen kleinen Stich: Der wunderbare Winterreise-Abend am 21. März 2016 von und mit Hugo Scholter im Bamberger Hof schlug die Besucher, darunter Winterreise-Interpret und Bariton Christoph von Weitzel aus Bad Windsheim, nachhaltig in Bann. RWV-Bamberg-Vorsitzende Jasenka Roth resümierte denn auch: »Hugo Scholter hat für uns die Perlen aus der Tiefe geholt.« Nur bedauerten all jene, die im Januar den 24-teiligen Liederzyklus in Coburg erleben konnten, dass es die kenntnisreiche Einführung erst jetzt gab. Schon die von Scholter ausgewählten Musikbeispiele machten klar, wie unterschiedlich Sänger und Pianisten das Schubert-Werk angehen. Was den Referenten aber nicht davon abhielt, inhaltlich klare Aussagen und Kommentare zu geben. Und wer weiß: Vielleicht wird die von ihm inszenierte Winterreise mit Christoph von Weitzel nach über hundert Vorstellungen 2017 endlich auch in Bamberg zu erleben sein? 

 

Bariton und Winterreise-Interpret Christoph von Weitzel (links) und unser Mitglied Hugo Scholter, seines Zeichens Schauspieler, Regisseur, Musiker und Gesangspädagoge (rechts)

Foto: Eva-Suzanne Bayer

 

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Wagner, Verdi und vor allem: Wir!

Unser Gast aus Dortmund, der Journalist, Wagnerbuch-Autor und Professor Holger Noltze, überraschte die Zuhörer am 11. März 2016 mit seiner relativ spät erwachten hohen Wertschätzung für Giuseppe Verdis Opern, machte aber im Gespräch mit Matthias Hain, dem kundigen Fragesteller, PR-Referenten der Bamberger Symphoniker und zeitweiligen RWV-Bamberg-Vorsitzenden, klar, dass Wagner natürlich auch seine Meriten hat. Aber eben andere. Was die animierten Zuhörer in der Nachbereitung gerne zu seinem hochgelobten Buch Liebestod. Wagner, Verdi, Wir (Verlag Hoffmann und Campe) greifen lässt. Und er verdeutlichte vor den nicht nur darob erfreuten Zuhörern immer wieder, dass es bei aller Musik-, Opern-, Gesangs- und Inszenierungskunst vor allem darauf ankommt, was sie aktuell bei jedem einzelnen auslöst. Was für ein inspirierender und auf hohem Niveau auch unterhaltsamer Abend!

 

Prof. Dr. Holger Noltze (links) im Gespräch mit Matthias Hain   Foto: D. Schunk-Assenmacher 

 

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Nike Wagner bei uns in Bamberg 

Erstmals war Wagner-Urenkelin Nike Wagner am Samstag, 6. Februar 2016, in Bamberg zu erleben und sprach auf Einladung des Richard-Wagner-Verbands  im vollbesetzten großen VHS-Saal zum Thema Wagners BeethovenWeitere Texte und Berichte zu dieser Veranstaltung finden Sie unter Presse und unter Rückblick.

Nike Wagner (ganz links) mit Jasenka Roth, 1. Vorsitzende des RWV Bamberg, Christine Sünkel, stellv. Leiterin der VHS Bamberg Stadt, RWV-Mitglied Christiana Schmidt und 3. Bürgermeister Wolfgang Metzner, sowie (rechts) ein Blick in den vollbesetzten Saal der Volkshochschule Bamberg Stadt    Foto: Dietlinde Schunk-Assenmacher

 

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Unsere Vortrags- bzw. Gesprächsveranstaltungen finden, wenn nicht anders angegeben, in den Seminarräumen in der 1. Etage des Hotels Bamberger Hof, Schönleinsplatz 4, statt. Der Eintritt ist frei, Gäste sind willkommen. 

(Stand: 24. 4. 2016, Terminänderungen vorbehalten) 

 

 

Bamberger Bürgernadel für Ingrid Huther-Thor

Für ihre besonderen Verdienste um den Richard-Wagner-Verband Bamberg hat Oberbürgermeister Andreas Starke am 24. Juli 2014 unserer langjährigen Vorsitzenden Dr. Ingrid Huther-Thor die Bamberger Bürgernadel verliehen. Sie sorgte dafür, dass der vor Jahrzehnten »eingeschlafene« Verband wieder gegründet wurde und leitete ihn mit großem Erfolg von 2003 bis 2013!

 

 

Nachruf 

Wir trauern um unsere Ehrenmitglieder  Margaretha Krackhardt (19232013) und Rudolf Krackhardt (1925–2015).